Die Slaven im Thale Resia

(Vaterländische Blätter. Jahrg. IX. 176-180.)

JERNEJ KOPITAR

 Die krainischen oder mit einem anderen alten Chronikennamen, die Karentaner Slaven, die die Geschichte so wie die bulgarischen um hundert Jahre früher als die Kroaten und Serben in Illyricum findet, ohne die Zeit und Veranlassung ihrer Einwanderung angeben zu können, machen dermal in Krain, Kärnten, Steiermark, Provinzialkroatien und Westungern an anderthalb Millionen Seelen aus. Zwar will der Steirer und der Kroate kein Krainer heißen und umgekehrt (und geographisch genommen haben sie alle Recht), aber die Sprache beweist unwidersprechlich, daß diese zerstückelten Reste eines vor und zu Karls des großen Zeiten mächtigen Stammes zusammen gehören: sie sprechen alle eine Mundart, die zwar in dieser großen Ausdehnung, – von Görz bis an den Plattensee, und von dort herauf bis an die Thore der Kaiserstadt Wien, wohin sie wochentlich ihr Geflügel und dergleichen Seilerstattartikel zu Markte bringen – und bei so langer politischer und geographischer Trennung ihre Unterarten hat und haben muß, aber in der großen Classification der slavischen Mundarten wie böhmisch, polnisch, russisch, serbisch, einen gemeinschaftlichen Charakter behauptet. Noch zur Zeit der Reformation, ehe Ferdinand I. einen Theil Slavoniens Kroatien taufte, hießen diese Slaven bei den deutschen Nachbarn mit einem gemeinschaftlichen Namen die Windischen, die oberen und die unteren Windischen; ein Name, der jetzt nur noch den kärntnischen und steirischen und allenfalls in der Form Vandalen den

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westungrischen Slaven geblieben ist. Die Geschichte des lombardischen Diaconus Paul, des Sohnes Warnefried’s, und anderer Chroniken jener Zeit sind voll von den Kriegen dieser Slaven (so nennen sie sie mit dem bloßen allgemeinen Namen des gesammten slavischen Volksstammes, der in allem über fünfzig Millionen zählt: die deutsche Benennung windisch ist eben auch allgemein und das deutsche Synonymon für Slave) gegen die Herzoge von Friaul und von Baiern. Damahls scheinen sie auch zahlreicher gewesen zu sein, da sie, wie die Ortsnamen zeigen und wie selbst aus Urkunden erhellt, wovon Heyrenbach einige bekannt gemacht, in ganz Steiermark und Österreich bis nach Baiern und Tirol hinein verbreitet waren. Die Chronik von ihrer Bekehrung zum Christenthum durch salzburgische Missionäre, der berühmte libellus de conversione Carantanorum, ist zwar viel besprochen und gelobt, aber bei weitem noch nicht ganz erklärt worden. Möchten sich doch von kärntnischer Seite die Jenulle und P. Eichhorn seiner recht ernstlich annehmen und von steirischer, kroatischer und ungrischer Seite, in welchen Gegenden so viele Ortsnamen zu erklären sind, die Supančiče, die Kovačiče! Die Wiener Handschrift dieser Chronik wäre noch zu vegleichen, besonders wegen der Eigennamen, die oft von denen in der Juvavia abweichen. Von diesem höhern Standpuncte aus werden wir den nachfolgenden Beitrag und die durch ihn vielleicht werden veranlaßt werden, nur um desto genauer zu würdigen wissen. Es sind Notizen über eine karentanische Pfarre in einem Thale des venetianischen Friauls, aus den Papieren des berühmten polnischen Reisenden Grafen Johann Potocki, die uns vergönnt ist, aus der reichen slavischen Bibliothek des Grafen Ossoliński hier mittheilen zu dürfen, zur Vergleichung mit einem ähnlichen Aufsatze in Dobrovský’s Slavin Seite 120. Unsere Hauptabsicht dabei ist, jetzt, da diese Pfarre auch österreichisch ist, durch diese Mittheilung irgend einen der dortigen oder doch nahen Geschichtsforscher und Statistiker zu bewegen, die Untersuchung über diese lange unter Venedigs Herrschaft isolierten Karentaner zu erschöpfen. Potocki’s Aufsatz ist ursprünglich französisch; die Anmerkungen sind, wie man sehen wird, vom Übersetzer.

 Notiz über die Resianer. Die Resianer bewohnen im venetianischen (1) Friaul das Thal, wo der Fluß Resia (2) beginnt, zwei

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Stunden (lieues) ober Rasciuta, einem Marktflecken (petit bourg), wo man Pferde wechselt, wenn man über Pontafel (Pontieba) in Italien einbricht. Dieses Völkchen hat 2000 Communicanten, eine einzige Pfarre und vier Dörfer, deren Namen S. Giorgio, Niva, Osseaco und Stolvizza. Die Pfarrkirche liegt auf einer Anhöhe, ungefähr gleich weit entfernt von den vier Dörfern. Diese Anhöhe heißt il Prato ‚die Wiese‘. Man findet dort zwei Wirths- und einige andere Häuser. Die Resianer sprechen eine slavische Mundart, die der Karnischen (du carnien) (1) am nächsten ist; doch verstehen sie den Karner nur mit Mühe (2) und sie machen auf eine ganz andere Herkunft Anspruch. Da das Thal sehr unfruchtbar und steinig ist, so verlegen sich viele Einwohner auf den Handel. Die übrigen leben dürftig. Die Frauen besonders sind zu harten und schweren Arbeiten verdammt. Die Häuser haben keine Rauchfänge (Schornsteine). Die Zimmer sind gewölbt. Sie machen das Feuer in einem Winkel und der Rauch geht zur Thür oder zum Fenster hinaus. Die Pfarrregister gehen nur bis auf das Jahr 1590. zurück. Vor 1590. hatte ein benachbartes Kloster die Seelsorge in diesem Thale. Die Familien, die in diesen alten Kirchenbücher vorkommen, bestehen noch alle. Ihre Nahmen sind Butul, Folador, Cucus (3) , Brida, Hrug, Bilina, Quaja, Mosnik, Modot, Longhino, Leonardi, Bobatz, Clement, Letich, Paletto, Tranchon, Piclich und einige andere, die ich nicht habe lesen können. Ein sonderbares Denkmahl hat sich in der Sprache der Resianer erhalten. Sie nennen einen Priester Jero oder Jerun (4) . Diese Benennung ist griechischen Ursprungs und scheint zu beweisen, daß die Resianer zu einem der slavischen Zweige gehören, die ihren Glauben von den Griechen und nicht von den Lateinern erhalten haben. Und doch ist ihre Sprache nur eine Unterart von dem Dialekte ihrer Nachbarn. Die Seelsorge wird immer an einen Geistlichen vergeben,

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der in diesem Thale geboren ist (1) . Der gegenwärtiger Pfarrer heißt Johann Micelli, und sein Vicar Anton Brida, beide unterrichtete und zuvorkommende Männer. Ich kann die Gefälligkeit, mit der sie mir alle gewünschten Aufschlüsse gaben, nicht anders als sehr rühmen. Hier folgt das Vaterunser, das sie mir dictierten und das ich mit der polnischen (2) Orthographie niederschrieb, die sie selbst sehr geeignet fanden, um die Laute ihrer Sprache auszudrücken. Ich stelle das karnische Vaterunser (en carnien) zur Seite, zur Beurtheilung des Sprachunterschieds. Resianisch. Ochia nasz, ka se tu nebe, swietu bode wasze ime, prydy k nam wasza kraiuska, bode zdiedana wasza volontad takoy w nebe passe na zemie, dayte nam nasz wsakiedennie kroch, otpustete nam nasze dolga, takoy y my odpusztiemu naszy dolznikom, ne peyte (3) nas tu tentation, ma wybronite nas od hudaha, taku bode. Karnisch. Ocha nash, kir si v nebesih, posvezhenu bodi tvoie ime, pridi knam tvoie krajlestwo, sgodi sie tvoia vola koker na nebu taku na zemli, dai nam danas nash wsakdaini kruch, inu nam odpusti nashe dolge, koker my odpushamo nashim dolshnikam, inu nas ne opeli v skushniavo, temu nas reshi od hudiga. Amen. Die polnische Orthographie schien diesen zwei Geistlichen um so besser, da sie, ohne es zu ahnen, etwas von unserem gestrichenen l haben (4) . Sie selbst scheinen, da sie wenig schreiben, keine festgesetzte Orthographie zu haben. Hier folgt jedoch der Anfang einer Christenlehre, die der Pfarrer selbst geschrieben und womit er mir ein Geschenk gemacht, wiewohl er keine Abschrift weiter behielt. Das Original habe ich mit einigen

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anderen Fragmenten der Art der Bibliothek des Grafen Maximilian Ossoliński zugedacht. Craica (1) dottrina cristianca.(2) B. Du te ie creal a nu chial (3) na ti svit? R. Buh. B. Du ie Buh? R. Creator anu hospodin ot nieba anu ot zemje. B. Che ie Buh? R. Sou nebbe tana semje anu tu vuaschin (4) mestu.

 Ich will diesen Auszug nicht fortsetzen und gehe zu den Traditionen der Resianer über. Ich habe schon gesagt, daß sie behaupten, einen von den kärntnischen Slaven (Slaves de Carinthie) verschiedenen Ursprung zu haben. Einer von ihnen erzählte mir, daß der selige Peter Zimolo, Doctor der Rechte und Advocat in Gemona, einmahl in ihr Thal gekommen war und ihnen gesagt hatte, daß ihr ganzes Völklein von einem einzigen Menschen von Attila’s Suite abstammte, der sich in diesem Thale angebaut und dessen Aufenthaltsort Hospodizza geheißen habe. Aber Dr. Zimolo hat nicht gesagt, wo er die Geschichte dieses Menschen von Attila’s Suite her habe und hat sein Geheimniß ins Grab genommen. Zu Attila’s Zeit war die Abdachung der Karpathen, und die Ufer der Theiß (richtiger Teiß, slavisch Tisa) bereits von Slaven bewohnt, die auf der Peutinger’schen Karte Venadi Sarmatæ heißen. Diese Slaven gehorchten dem Attila und eine Slave konnte leicht in dessen Suite sein, als er Aquileja belagerte. Aber gewiß sprechen die Resianer nur eine Unterart des kärntnischen Dialektes (dialecte carinthien). Die anderen Dialekte sind: der Karosz (5) oder der kärntnische selbst, der Kozak oder die Mundart von Roseneck, und der Krainc oder Krainische. Die Sprache überhaupt heißt slovenske iezyk, die Leute Slovenci, und Klagenfurt Slovac. Windisch ist ein bei den Deutschen üblicher Name. Ich erlaube mir noch einige Bemerkungen über die alte Geschichte dieser Gegenden. In meiner Urgeschichte (histoire primitive) glaube ich die Beweise für die Identität der Veneter des adriatischen Meeres mit denen des Golfo di Venezia d.h. den Slaven bis zur Evidenz getrieben zu haben (6) . Die Veneter nannten Okra den Abhang, der sie von

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den Karniern trennte. Strabo sagt uns dieses, und ich glaube, daß das Wort (Okra) ‚Grenze‘ bedeute: Kray, Krayka, Krayca (sic) bedeuten alle ‚Rand, Ende‘. Das Wort Ukraina muß das nämliche bedeutet haben. Die Karnier, die die Okra von den Venetern trennte, waren keine Slaven. Hätten sie und die Veneter zusammen gehört, so hätten die Schriftsteller es bemerkt, denn immer interessierte der Völkerursprung, wie heut zu Tage (1) . Aber Veneter und Karnier, Japiden und Liburnier, alles ward zu Römern umgewandelt in den ersten Jahrhunderten des Reiches der Cäsaren. Da nun die heutigen Karnier ihren ganzen slavischen Character beibehalten haben, so folgt, daß sie von den Slaven herstammen, die unter Justinian über die Donau herüber gekommen sind. Diese neuen Bewohner des alten Karniens waren gegen Westen von der nämlichen Gebirgskette Okra begrenzt, die die Veneter gegen Aufgang begrenzt hatte. Sie nannten diese Grenze Kraina, und das ist es eben, was die Deutschen heut zu Tage die Krain (2) nennen. J. Potocki.

 II. Ein anderes Blatt, das wir hier das Nr. 2. nennen wollen, enthält gewissermaßen die Skizze des ersteren. Dobr ohon (?). Don Giovanni Micelli. Don Antonio Brida. Il Prato. St. Georgio. Niwa, veut dire ‚champ labouré‘. Oseako, veut dire ‚un pré fauchable‘. Stolwizza. Pietro Zimolo, docteur en droit à Gemona et avocat, disoit avoir des preuves historiques ou documents, qui prouvoient que les Résiens (sonst nennt sie der Graf Résianiens) venoient d’une seule famille, arrivée avec Atilla. Il demanda où étoit un lieu appelé Hospodizza; on lui montra une masure, qui portoit effectivement ce nom. Ochia nasz, kase tu Nebe, swietu bode wasze ime, prydy k nam wasza kraiuska, bode zdielana wasza volontad, takoy to nebe pa se na zemie. Dayte nam nasz wsakiedennie kroch, odpustete nam nasze dolga, tako y my odpasztiemu naszym dolznikom (scheint beinahe ein Punkt über dem z: dolżnikom, was recht wäre), ne peïte nas tu tentation, ma wybronite nas od hudaha. Taku bode. (Der englische Gruß). Salutana bodete Maria, punczaha hraczyia, hospod ie z wami, zehnana we ste tami zenami, zehnan ie te sad ot waszaha zwota Jezus. Sweta Maria, mater boha, prosete za nas hrysznikie y nian anu to horo od naszey smerti. Taku bode. (Der Glaube.) Ja se werien (sic), na Boha ochia, ka more wsie (‚omnipotente‘ von der Hand des Grafen selbst), kriatoria od nebba anu od

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ziemie, anu Jesusa Christusa naha samha synu naszaha hospuda, tyka ie byl concepen ot swetaha duha, powet ot Marya Vergine, patel ta pod Pontio Pilato, byl ghian na krysz mor anu nodián
(sic, ob lacunam; videtur podián), aie ne zlizat du pekle, te tretni dyn aie wstal otech mertvych, a iszhal un nebbe, an sedy tana tey tesniey ruke od boha ochie ko moizzi (vielleicht more, wie oben ka more wsie, wo auch das e in more anfangs i war). Otu an tie pryt iudicat te zywe anu te mertwe. Ja se weriem (sic) na swetaha duha, na sweto cyrkwo katolik, komunion o te swetich, odpuszczenie od grychu, wstat swet z mysom, sypiost nemer eternum. Tako bode.

 Nr. III. (Zahlwörter). ‚1‘ dan, ‚2‘ dua, ‚3‘ try, ‚4‘ cztyry, ‚5‘ pet, ‚6‘ szeist, ‚7‘ sedem, ‚8‘ osem, ‚9‘ dewat, ‚10‘ desat, ‚11‘ danaest, ‚12‘ duanaest, ‚13‘ trynaest, ‚14‘ czternaest, ‚15‘ petnaest, ‚16‘ szestnaest, ‚17‘ sedemnaest, ‚18‘ usennaest, ‚19‘ dewetnaest, ‚20‘ duaeste, ‚21‘ duest nu dan, duaeste nu dwa, ‚30‘ trysty, ‚40‘ sztrady, ‚50‘ peterdo, ‚60‘ szesterdo, ‚70‘ settendo, ‚80‘ osendo, ‚90‘ dewerdo, ‚100‘ stu, ‚1000‘ miar.

 Les plus anciennes écritures de la paroisse sont de 1590. Butul. Folador d’Osseaco. Cuus. Brida. Hray (Hrag? Hrug?). Bilina. Quaia. Mosnik. Modot. Longhino. Leonardi. Bobatz. Clement. Letich. Paletto. Tranchon. Pielieh (Piclich? Pielich?).

 Nr. IV. Ohon, ‚Feuer‘; chlaua, ‚Kopf‘; roke, ‚Hand‘; nohe, ‚Fuß‘; oczy, ‚Augen‘; nuz, ‚Nase‘; usta, ‚Mund‘; ucha, ‚Ohr‘; Brada, ‚Kinn (menton)‘; lassi, ‚Haar‘; hisza, ‚Haus‘; dan serein (terein), ‚eine Wiese‘; pot, ‚Weg‘; palica, ‚Stab‘; niwa, ‚Acker‘; czluwiek, muz, ‚Mensch, Mann (bloß homme)‘; zena, ‚Weib‘; na chti, ‚Tochter‘; dan otrok, ‚ein Knabe‘; otia, ‚Vater‘; mati, ‚Mutter‘; brater, ‚Bruder‘; sestra, ‚Schwester‘; stryz, ‚Oheim‘; stryna, ‚Tante‘; kon, ‚Pferd‘; prasatz, ‚Schwein‘; praszczet, ‚Ferkel‘; kraona, ‚Kuh‘; ouol, ‚Ochs‘; ouca, ‚Schaf‘; ovan, ‚Widder‘; koza (omisit ‚Ziege‘); ‚un bel homme‘, lip muz.

 So weit der Pole Potocki. In Dobrovský’s Slavin Seite 120. befindet sich eine ähnliche Nachricht über diese Resianer und ihre Sprache (laut dem Index) von dem dort gewesenen Feldpater Anton Pissely, einem Böhmen. Sein Wörterverzeichnis mögen unsere Leser, denen daran liegen kann, selbst dort nachlesen, aber die statistischen Daten, da sie ganz kurz sind, mögen zu schnellerer Vergleichung hier wiederhohlt werden. „In einem Schreiben vom 14. April 1801. verzeichnete mein lieber Slavin, Anton Pissely, einige windische Wörter, die er im Thale Resia, am Flusse gleichen Namens, zu Rustis, einem Dorfe dieses Thales, gesammelt hat. Das Thal liegt im venetianischen Gebiete, fünfzehn italienische Meilen von Udine, und wird von

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7000 Menschen, die vom Ackerbau und Viehzucht leben, bewohnt. Die slavisch redenden gehören zu dem windischen Stamme, der sich in Krain und Kärnten seit dem 6. Jahrhundert (1) ausgebreitet hat. Ihr Vaterland nennen die Bewohner des Thales dum Resia. Dörfer des Thales sind: Austis (2) , Oseaco, Niwa (3) , Stolwica, Powiey, wo man friaulisch spricht. Flüsse und Bäche heißen: Resia, der Hauptfluß des Thales, Cerne Potok, Risatik, Puto. Namen der Berge: Posgost, über dem äußersten Dorfe Stolviza; Kanina, über St. Giorgio, Brumand, über Brumand. Gegenden: Plananica, Stolac, Zlebac. Den Abschied nahmen die Leute, mit denen sich mein Slavin unterhielt, mit den Worten: a wy stujte zdraw, d.i. ‚auch ihr bleibet gesund‘. Die Slaven in der ganzen slavischen Welt wünschen einander Gesundheit, und was können sie sich besseres wünschen! Was hat größern Werth, als das Horazische mens sana in corpore sano! – Wäre doch meinem Freunde auch die Frage von den Bewohnern des Thales Resia beantwortet worden: „Wie nennt ihr euch, wenn ihr euch von Deutschen oder Italienern unterscheidet? Wie heißt eure Sprache?“ Ich vermuthe, daß sie sich wie die Windischen in Krain und Kärnten Slovenci und ihre Sprache slovinsky jezik nennen. Ein zweiter Bote dahin mag künftig diese Vermuthung zur völligen Gewißheit bringen.“

 So weit der Böhme Dobrovský. – Diesen zweiten Boten fertigen wir hiermit an Herrn Jarnik in Klagenfurt ab (4) mit der Bitte, diese unsere Daten selbst und mit Hilfe seiner Resianer Bekannten, genau (Wort für Wort und Satz für Satz) prüfen, berichtigen und allenfalls vermehren zu wollen.

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FUSSNOTEN



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1. Graf Potocki reiste um die neunziger Jahre. (↑↑)

2. Auf den Karten Ressa. Wie ist’s doch recht? (↑↑)



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1. Es zeigt sich aus dem folgenden, daß der Reisende damit kärntnisch sagen will. (↑↑)

2. Vielleicht gehört ihr Dialekt zu der Unterart, die bei Görz üblich ist und worüber ein kleines bisher ganz unbekannt gewesenes Dizzionario italiano e schiavo von einem Pater Alessio da Sommaripa, 1607. in Udine gedruckt, Schreiber dieses unlängst in einer Versteigerung erstanden hat. (↑↑)

3. Auf einer anderen Stelle Cuus, welches richtiger scheint, da der Name Kus (d.i. kos ‚Amsel‘) häufig ist. (↑↑)

4. Es wäre wesentlich zuerst zu wissen, ob sie ihn wirklich so nennen. Schreiber dieses zweifelt daran. Der Kritik des Reisenden macht sein immer wiederkehrender Einwurf von Seite der Mundart Ehre. (↑↑)



[S. 326]

1. Ganz natürlich, weil die Venetianer keine anderen Slaven von diesem Dialekte hatten und Ausländer nicht anstellen mochten. Österreich wird auch Krainer, Kärntner, Steirer hinschicken können. (↑↑)

2. Dem ist bei weitem nicht ganz so! Die Orthographie ist bald polnisch bald krainisch bald venetianisch bald keine von allen, wie sich jeder selbst überzeugen kann: z. B. gleich das erste Wort ochia hätte polnisch ocza geschrieben werden müssen; das ocha im karnischen tiefer unten ist keines von allen dreien, sondern ganz verfehlt, statt oča kärntnisch, ocza polnisch, ochia venetianisch, u.s.w. (↑↑)

3. Peyte ist ein Venetianismus oder Parisismus statt peljite d.i. ‚führet‘ (denn der resianische Geistliche ihrzet unseren Herr Gott nach italiänischer Mode). Statt lj (l mouillé) spricht der Venetianer und der Pariser j: z.B. tagliare und tailler wie tajare und taïé. (↑↑)

4. Ist das gewiß? Oder hörte der Pole nur, was er wünschte? In Krain und Kärnten spricht man wohl v statt des polnischen ł, wie in der Lausiz, und wie zum Theile in Polen selbst. Meint der Graf damit nur dieses, so hat er Recht. (↑↑)



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1. Wohl cratka d.i. kratka. (↑↑)

2. Kristjanska? (↑↑)

3. Djal? Man seht, daß die italisierten Priester viel wälsches hineinmengen, vielleicht mehr aus Bequemlichkeit als aus wirklicher Noth. (↑↑)

4. Wohl vsakim? (↑↑)

5. Richtiger Koróšec, ‚der Kärntner‘, po koroško, ‚kärntnisch‘, und unten Kranjec, und po kranjsko. Klagenfurt heißt Celovec und seine Etymologie hat mit slov gar nichts zu schaffen. (↑↑)

6. Indessen gibt es hierin noch der Zweifler und – der Zweifel selbst genug! (↑↑)



[S. 328]

1. Solchen Gründen fehlt wohl viel noch zur Evidenz! (↑↑)

2. Wie jung ist der Name Krain? Siehe das Chronicon Gotvicense. (↑↑)



[S. 330]

1. Wo ist der historische Beweis für dieses Datum? (↑↑)

2. Welches oben Rustis hieß? Welches ist das rechte? (↑↑)

3. Sprich njiva. (↑↑)

4. Und wir (der Herausgeber dieser Schriften) an Herrn Georg Caf in Frauheim. (↑↑)

Barth. Kopitars kleinere Schriften
1. Band
Wien: Friedrich Beck’s Universitäts-Buchhandlung, 1857
S. 323-330
http://purl.org/resianica/kopitar/1857